Pferdeharmonie

Tips

Was ist bloß mit diesem Pferd los?

Um mit Pferden wirklich gut umzugehen, muss man Gefühl entwickeln.
Was ist damit gemeint? Nehmen wir zum Beispiel einen dominantenWallach, der in einer gemischten Herde lebt .
Wir möchten gerne mit diesem Pferd, sein Name ist Fightclub, ausreiten. Schon beim Einfangen zeigt er deutlich seinen Unwillen: Er läuft davon, und wenn wir ihn aufhalftern möchten, reisst er den Kopf hoch und dreht uns seinen gut bemuskelten Hintern zu. Soweit so gut. Nun möchten wir aber auch die Koppel verlassen und in die 100m entfernte Reithalle gehen.
Schon beim Öffnen des Koppeltors und beim Hinausgehen dreht er sich einfach um und versucht uns loszuwerden. Oh Mann, schon 20 Minuten Aktion und gerade einmal 20 Meter weit gekommen.
Auf dem Weg zur Halle werden wir ständig überholt, rumgezerrt und zuguterletzt steigt er auch noch.

Was hat das alles mit Gefühl zu tun ???
Die Frage ist eher: "Wie fühlen wir uns nach all dem Stress ?"
Wir sind entnervt, vielleicht sogar verängstigt, und vergessen völlig zu fragen, wie es eigentlich unserem Pferd geht. Wir fragen uns: „Was hat der blöde Gaul denn heute?“ und schieben die Schuld auf das herrliche Wetter, weil Pferde bekannterweise bei Sonnenschein ein wenig aufgekratzter sind als sonst. Also fühlen wir, empfinden und hinterfragen - aber leider denken wir nicht an unseren Fightclub. Wenn wir fühlen würden, könnten wir schon auf der Koppel sehen, dass hier einiges nicht stimmt. Aufgrund seines dominanten Verhaltens glauben wir, dass unser Pferd es böse mit uns meint.
Wie wäre es mit dem Gedanken, dass unser Fightclub einfach nur Angst hat. Angst, seine Herde zu verlassen, Angst, sie nie wieder zu sehen. Angst, seine Rangposition neu erkämpfen zu müssen.

Wenn wir uns solche Fragen einmal stellen, denken wir vielleicht ganz anders über die erwähnten Situationen nach! Dann fühlen wir nämlich, dass unser Pferd kein Vertrauen in uns hat. Von da an ist ein Weg gefunden, mit wir neu anfangen können.
Alleine dieses Umdenken wird brenzlige Situationen wie die beschriebene schon entschärfen. Aber was können wir ändern?
Dass wir mit unserem Pferd zunächst den Weg der Bodenarbeit anstelle des Ausreitens bestreiten sollten, wäre ein guter Anfang. Ein Großteil dieser Übungen lässt sich sogar auf der Koppel durchführen. Nehmen Sie sich Zeit, um eine neue Form der Kommunikation zu erfahren, die eine völlig neue Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Pferd herstellen wird.
Was ich jedem empfehlen kann ist, ein paar Tage einfach ohne jegliche Erwartung auf die Koppel zu gehen, und darauf zu warten, dass Ihr Pferd von alleine zu Ihnen kommt. Und das wird es tun, weil Pferde von Natur aus neugierig sind. Verlangen Sie nichts von ihrem Pferd, streicheln Sie es, wenn es das möchte und wenn es sich entfernt, lassen Sie es gehen und beobachten Sie es in seinem Herdenverhalten. Vielleicht stellen Sie fest, dass er gar nicht so dominant ist, wie er bei Ihnen tut.

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