Pferdeharmonie

Tips

Was ist der Trick?

Ich würde sagen, dass es keinen Trick gibt. Ein Pferd lässt sich auf vielerlei Arten trainieren. Man kann es schlagen und ihm den Willen brechen, man kann es anschreien und einschüchtern, man kann zu immer schärferen Hilfsmitteln wie Peitschen, Sporen, Bosals und Kandaren greifen, um es sich gefügig zu machen.

All das möchte ich selbstverständlich nicht anwenden. Also wie denn nun? Timing, Gefühl, Voraussicht, Konsequenz, Achtung und Respekt sind meiner Meinung nach die richtigen Ausbildungswerkzeuge.

Beginnen wir einmal mit der Voraussicht. Wenn ich einen sicheren Umgang mit einem Pferd haben möchte, muss ich vorausschauend denken. Wie geht das? Ich muss mich in die Sichtweise eines Pferdes hineinversetzen. Pferde sind Fluchttiere. Ihr Überleben hängt von ihrem Fluchtinstinkt ab. Es ist wichtig, das Verhalten seines Pferdes verstehen zu lernen. Wenn ich z.B. mit einem Pferd im Gelände bin, gehe ich voraus und wenn ich merke, dass mein Pferd sich vor einem Holzstapel, der gestern noch nicht da lag, erschrecken will, kann ich als Führperson beruhigend auf das Pferd einwirken. Aber zuvor muss man erst einmal wissen, dass ein Pferd sich einfach so erschrecken kann und darf. Man muss also seinen Fluchtinstinkt verstehen, nur dann ist man in der Lage, Schrecksituationen gefahrlos zu meistern.

Das richtige Timing ist die nächste Voraussetzung für ein pferdegerechtes Training. Nehmen wir noch einmal den Holzstapel: Wir sind mit unserem Pferd im Gelände, wir gehen voraus, sehen diesen Holzstapel, wissen, dass unser Pferd sich erschrecken könnte, denken also im Voraus. Und nun zeigen wir unserem Pferd den Holzstapel, bevor es sich erschrickt. Wir sagen unserem Pferd, dass alles in Ordnung ist. Es gibt nichts, wovor es sich erschrecken muss. Dazu brauchen wir Gefühl.

Es nutzt uns reichlich wenig, wenn wir um die Gefahren wissen, aber nicht in der Lage sind zu fühlen, wie es unserem Pferd geht. Der Holzstapel kann sehr bedrohlich auf unser Pferd wirken und die Situation kann sich deswegen ganz schön hochschaukeln. Es kann ganz plötzlich seitlich ausbrechen, an uns vorbeischießen und was nun? Der Schreck ist da, das Durchgehen vorprogrammiert. Mit einer soliden Bodenarbeit als Trainingsgrundlage wird es wahrscheinlich gar nicht erst so weit kommen. Aber selbst wenn, werden Sie wissen, was Sie zu tun haben. Wir nehmen dieses Verhalten unserem Pferd nicht übel, zirkeln es ein bis zwei Runden am Holzstapel vorbei. Wir atmen hörbar aus und bleiben völlig gelassen. Wir fühlen, wie und wann sich unser Pferd beruhigt, und bringen es vor dem Holzstapel zum Stehen. Anschließend loben und streicheln wir es ausgiebig. Nun nehmen wir unsere Führposition wieder ein und gehen noch ein- oder zweimal am Holzstapel vorbei. Das Problem ist gelöst.

Diesen Inhalten “Voraussicht, Timing und Gefühl“ folgt als nächster Schritt die Konsequenz.
Wenn ich möchte, dass mein Pferd mich ernstnimmt, muss ich in all meinen Forderungen konsequent sein. Das heißt, erschrickt mein Pferd trotz aller Voraussicht, allen Timings und Gefühls, muss ich die Schrecksituation solange durchspielen, bis es diese gelassen hinnehmen will. Ein Pferd braucht einen klaren Anführer, der immer die Übersicht behält und die nötige Ordnung und Ruhe mit sich führt. In einer Situation, in der Sie als Führperson unklar handeln, wird Ihr Pferd aufgrund seines Überlebenstriebs Sie in Frage stellen. Die Konsequenz daraus ist, dass Ihr Pferd das Vertrauen in Sie verliert und selbst die Führposition einnimmt. Verhalten Sie sich klar, eindeutig und konsequent, dann wird ihr Pferd Sie achten und respektieren. Auf diese Weise erlangen Sie ein sicheres Pferd und Ihr Pferd eine sichere Führperson, bei der es sich wohlfühlen kann.

 

zurück