Pferdeharmonie

Fragen und Antworten

Frage von Petra:
Guten Morgen Micha
Mit Interesse habe ich gerade Deine Frage-Antwort-Seite gelesen. Ich bin ein großer Anhänger von Horseman Ausbildung. Leider so ziemlich die Einzige in unserem Stall. Wir leben in Spanien, und vor 6 Jahren habe ich meine Stute Aisha, angeblich 7jährig, von einem Zigeuner gekauft, als sich 2 Monate später, durch den Zahnwechsel herausstellte, daß sie noch sehr jung und gerade mal angeritten war. Auch ich war Anfängerin, und hatte bis dahin nur einige Englichreitstunden. Auch hatte sie ziemliche Angst vor Allem, was von hinten kam, auch am Popo anfassen. (Sie wurde wahrscheinlich geschlagen). Weil sie auch Striemennarben hat. Von hinten treiben geht gar nicht. Sie wird panisch und legt den Rückwärtsgang ein. Deswegen hat sie wohl auch immer schon ausgetreten, aber nie gebuckelt. Deshalb reite ich in einer Gruppe immer am Schluß, und weil es auch für mich viel bequemer ist. Sie ist aber auch ein Kleber. Ansonsten hat sie vor nix und niemanden Angst. Wir würden jede GHP-Prüfung gewinnen, ohne jemals geübt zu haben. Ich reite Western mit langem Zügel, nur mit Lob und Stimme. Durch Druck wird sie ziemlich uncooperativ. Da in Spanien diese Reitweise nicht sehr verbreitet ist, habe ich uns beiden alles, was wir können, aus Büchern, Gesprächen, und mit Hilfe einer Freundin, die etwas weiter weg wohnt, beigebracht. Wir reiten Trail, Pool-Banding, Barrel-Racing und machen Freiheitsdressur. Aber nur zum Spaß, keine Turniere. Und größtenteils Gelände, sooft wir können. Vor etwa 4 Jahren habe ich sie auch im Gelände gebisslos geritten. Aber im Laufe von 2 Jahren hatte ich immer mehr Probleme mit dem Bremsen. Und ein Pferd nur mit Kraft reiten, ist nicht der Weg, und mit meinen 53 Jahren kann ich es auch nicht mehr. Also habe ich sie wieder vor 1,5 Jahren wieder mit Wassertrense geritten, was sie gar nicht gut fand. Und da fing es schleichend an. Sie war dato ca. 7-8 Jahre alt. Ab und zu kam zum austreten auch mal ein Buckler. Und auch mal im Galopp ein Buckler mit anschließendem gas geben. Aber immer nur ein paar Meter. Aus einem Buckler wurden dann 2 oder 3 am Stück. Bis ich dann bei einem ihrer Rodeoeinsätze unfreiwillig abgestiegen bin. Alle im Stall sagen:,, du hast dein Pferd nicht im Griff, du mußt ihm zeigen, wer der Boß ist, gib ihr mal eins mit der Gerte, wenn sie es wieder tut. Einmal habe ich es getan. So einen kopflosen Ausraster habe ich bei einem Pferd noch nie gesehen. Wir wären fast BEIDE rückwärts-seitwärts in einen Olivenbaum gefallen, solche Sprünge und Dreher hat sie fabriziert, bis sie dann stocksteif stehenblieb, am ganzen Körper zitternd und mit weitaufgerissenen furchtsamen Augen. So etwas tue ich meinem Pferd nie wieder an. Oder:,, Du mußt sie viel enger am Zügel nehmen, ruck am Zügel, wenn sie nicht gehorcht, du gehst viel zu weich mit ihr um. Sie wollen alle nur helfen, weil sie der Meinung sind, ich bin viel zu weichherzig für dieses clevere Pferd, sie wüßte ganz genau, wie sie mich um den Finger wickeln kann, und nur mit Liebe und schmusen würde ich nicht weit kommen. Aber das will ich eigentlich alles gar nicht. Ich will keinen willenlosen Untersatz, sondern einen Partner, der mitdenkt, und d a s tut sie ganz gewiss. Im Viereck macht sie das übrigens überhaupt nicht. Da ist sie das bravste Pferd der Welt. Alle sagen, am Strick und bei der Freiheitsdressur ist sie ein großer Hund. Sie macht alles, worum ich sie bitte. Aber unterm Sattel kommt es immer häufiger vor, daß sie mich abbuckelt, wenn z.B. ein anderes Pferd zu nah kommt, oder ein Geräusch, oder irgendwas passiert hinter ihr, oder auch, so sagen meine Stallkollegen, weil ich gerade etwas von ihr möchte, daß sie nicht will. 3 mal bin ich bis jetzt ?!!?? abgestiegen.
Ich bin mit meinem Latein am Ende. Bitte hilf mir. Ich hoffe, Du konntest Dir ein Bild von mir und meiner Aisha machen, mit der ich so gerne unbeschwerten Spaß haben würde.
Vielen Dank im Voraus

Mit recht herzlichen Grüßen

P.S.
Mein Mann ist der Meinung, daß sie gelernt hat, wenn sie buckelt, weil sie gerade nicht gehorchen will, gebe ich nach, oder falle sogar runter, und sie macht es, um mich loszuwerden. Ich glaube nicht, daß Dem so ist. Noch etwas (ich weis nicht,ob es wichtig ist) sie ist sehr auf mich fixiert, droht auch anderen Tieren(Pferd,Esel, Hund), wenn ich bei ihr bin, und einen fremden Reiter akzeptiert sie nicht so wirklich.

Antwort von Michael Zywitzki:
Olá Petra,

erst einmal liebe Grüße nach Spanien.

Ich werde mich jetzt erst einmal zum Thema Buckeln äußern.

1.) Pferde buckeln nicht ohne Grund: Schmerz, Schmerzgedächtnis, unpassender Sattel oder nicht passende Trense. Diese Punkte gilt es zunächst durch einen Fachmann (Schmied, Sattler, Tierarzt) abzuklären.

Ich gehe davon aus, dass dieses bereits geschehen ist.

2.) Pferde neigen auch zum Buckeln, wenn sie durch ihren Reiter aus der natürlichen Balance gebracht werden (durch bspw. Ängstlichkeit, Klammern, ein Zuviel an Körperspannung).

Schläge sind immer falsch. Wer sich auf einen Kampf mit seinem Pferd einlässt, kann nur verlieren. Ich finde es lobenswert, dass du dich nicht auf diese Art der Korrektur einlässt. Sicher erreichst du keinen Respekt, durch schmusen und flüstern, dennoch ist ein konsequentes Ausbilden des Pferdes unabdingbar.

Solange dein Pferd scheut und sich erschrickt, wenn sich von hinten etwas nähert oder Geräusche entstehen oder sich ein Pferd in ihre Nähe begibt, fängt sie an und übernimmt die Kontrolle der Situation. Mensch neigt dann dazu, festzuhalten (Zügel ziehen). Das ist in meinen Augen falsch. Der richtige Weg ist folgender: Wende dein Pferd der Situation zu und lasse es im Zweifelsfall rückwärts gehen. Dieses kannst du auch vom Boden üben, bevor du es vom Sattel aus probierst.

Du kannst deinem Pferd helfen, seinen Fluchtinstinkt zu kontrollieren, indem du ihm die Möglichkeit gibst, sich die entsprechenden Situationen anzuschauen. Des Weiteren bin ich der Meinung, dass dein Pferd mehr desensibilisiert werden muss. In diesem sinne empfehle ich dir einen Basiskurs Natural Horsemanship bei einem Trainer deiner Wahl, welcher sicher auch in Spanien zu finden ist. Zumeist sind es die kleinen Schritte, welche, wenn sie richtig angewandt sind zum großen Erfolg führen, aber wenn in diesen kleinen Schritten Fehler unterlaufen, endet es in einem großen Desaster.

Du wirst hoffentlich verstehen, dass ich keine detaillierten Übungsanleitungen aus der Ferne geben kann, weil diese sich ohne fachgerechte Anwendung als gefährlich erweisen können. Wenn du magst, filme doch einmal deine Boden- und Reitarbeit und schicke sie mir zu, Vielleicht kann ich dort mehr erkennen oder die Anfänge deines Problems entdecken.

GlG,

Micha

PS: Wenn du magst, ruf mich doch mal an. Ich komme auch nach Spanien.


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